Chronik der ersten 100 Jahre

Die Gründungsjahre

1893

Die am 6., 7. und 8. Oktober im Neuen Krug in Detmold durchgeführte Ausstellung von landwirtschaftlichen Produkten sowie von Bienen, Geflügel und Fischerei ist wohl Veranlassung, dass sich einige Geflügel-freunde aus Detmold, die sich auch an dieser Ausstellung beteiligten, im kommenden Jahr zusammen-finden und die Gründung des heutigen Geflügelzuchtvereins vornehmen. Auf dieser ersten Ausstellung werden 227 Tiere gezeigt und folgende Detmolder Züchter sind vertreten: Karl Beneke, Ph. Burckhardt,
C. Freitag, Karl Lüdeking jr., W. Werkmeister u. A. Steneberg.
Der Geflügelzuchtverband für Westfalen und Lippe hält an den Ausstellungstagen einen Verbandstag ab. Verbandsvorsitzender ist Konrektor Blancke aus Herford, der auch einen Vortrag über Geflügelzucht hält. Dieser Vortrag wird den Freunden der Geflügelzucht schon in einer Vorankündigung empfohlen. Die Käfige werden beim Verein Fauna in Herford geliehen.
In der Fruchtabteilung werden auch Tannenkrüger-Riesenrunkeln gezeigt. Am Eröffnungstag gibt es ein Festessen im Hotel Stadt Frankfurt.

1894

Am 22. Juni 1894 findet sich in der Lippischen Landes-Zeitung folgender Bericht: ‚Mehrere Liebhaber und Kenner der Geflügelzucht, die leider im hiesigen Land größtenteils darniederliegt, haben sich vereinigt, um einen Verein zur Förderung der Geflügelzucht in Lippe zu bilden. Die Liste zum Einzeichnen kursiert in hiesieger Stadt, hoffentlich werden auch im Lande sich zahlreiche Theilnehmer finden. Der Verein will in erster Linie auf diejenigen Geflügelarten Gewicht legen, welche für die Mast und zum Eierlegen am zweckmäßigsten sind.

In der Generalversammlung vom 1. Juli 1894 wird die erste Satzung genehmigt. Wie aus dieser Satzung ersichtlich, schwebt den damaligen Gründern des Vereins dieselben Gedanken zur Hebung der Rasse-geflügelzucht vor, die uns heute noch begeistern. Den ersten Vorsitz hat Kaufmann Preuß inne [bis zum Jahre 1909]. Zu jener Zeit haben die Vereine auch noch einen Protektor, etwa dem heutigen Schirmherrn vergleichbar. Für unseren Verein ist dieses Prinz Hermann zu Schaumburg-Lippe aus Bückeburg. Prinz Hermann war selbst Geflügelzüchter, der seine Tiere auch auf Schauen zeigt.

Dazu muss man wissen, dass sich der lippische Erbfolgestreit bereits anbahnte und das Haus Schaumburg-Lippe die Regentschaft über das Fürstentum Lippe ab März 1895 ausübte. Dies wurde erst 1897 nach einem Spruch eines Schiedsgerichtes zu Gunsten der Linie Lippe-Biesterfeld revidiert.

1895

Schon ein Jahr nach der Gründung ist unser Verein sehr aktiv: Er führt die VI. Verbandsausstellung des Westfälisch-Lippischen Geflügelzüchterverbandes vom 5. – 7. Juli 1895 in einem Doppelzelt am Neuen Krug durch. Auf der Schau werden über 1.000 Tiere gezeigt; es werden 1135 Eintrittskarten für Erwachsene und ca. 400 für Kinder verkauft.

1898

Am 6. Februar 1898 wird von den Vereinen Bad Salzuflen, Lemgo und Lage der Verband Lippischer Geflügelzüchter gegründet. Detmold tritt zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Verband ein, sondern erst am 13. März 1898. Seit der Gründung des Lippischen Verbandes gehörte W. Werkmeister sen. aus unserem Verein jedoch als 2. Schriftführer dem Verbandsvorstand an.

Die frühen Anfangsjahre

1913

Den 1. Vorsitz übernimmt im Jahr 1913 der Kaufmann Ernsting, Lagesche Straße, eine damals stadt-bekannte Persönlichkeit.

1914 - 1918

Von den Jahren des 1. Weltkrieges wissen wir nichts zu berichten; wahrscheinlich ruhte während dieser Zeit die Vereinstätigkeit.

1919

Die erste Verbands-Ausstellung nach dem 1. Weltkrieg ist am 15. Dezember 1919. Der Verein zählt 135 Mitglieder.

1923

Die Nöte der Nachkriegs- und Inflationszeit spiegelt ein Versammlungsbeschluss vom 23. Juli 2913 wider. Es wird beschlossen, eine Kleiezuteilung durchzuführen. Diese soll bei Zuchtfreund Schütze zur Ausgabe gelangen. Jedes Mitglied erhält 55 Pfund Kleie zum Preise von 33 000 Mark. Am 21. August 1923 ist eine zweite Zuteilung von 50 Pfund zum Preis von 400 000 Mark.

40 Jahre Geflügelzuchtverein

1934

Unter der Anwesenheit von Landrat Schweiger wird auf der Lokalschau am 3. und 4. November 1934 des 40jährigen Gründungstages unseres Vereins gedacht.
Gute Züchterkameradschaft zeigt sich in bester Weise gegenüber dem Mitglied Fritz Dreier, dem sein ganzer Bestand von 15 Tieren gestohlen wurde, indem diesem neues Zuchtmaterial zur Verfügung gestellt wird.

1936

Mit einem Kostenaufwand von 410 Mark wird am 2. Januar 1936 mit dem Bau eines Gerätehauses am Falkenkrug begonnen. Die Arbeiten werden von Mitgliedern des Vereins ehrenamtlich ausgeführt.

Der 2. Weltkrieg

1939

Gebrüder Brinkmann gehen als Sieger auf der ‚Nationalen Ausstellung' in Leipzig hervor.
Zahl der Mitglieder: 91.
In den Spätsommermonaten erfolgt dann der Ausbruch des 2. Weltkriegs. Zum Weihnachtsfest werden für die Kriegsteilnehmer Päckchen gepackt.

1940

Die am 15. Oktober 1940 einberufene Versammlung muss zum ersten Mal wegen Fliegeralarm vorzeitig abgebrochen werden.

1941 und 1942

Im zweiten und dritten Kriegsjahr, als die allgemeine Not und die Sorge der Züchter um ihre Tiere immer größer wird, machen sich die Zuchtfreunde Wächter und Hagemann, beide Männer im vorgerückten Alter, mit einem Handwagen auf den Weg nach Lage, um 2 ½ Zentner Futter von Nagel und Huth zu holen.
Dieses hatte der Verein durch Vermittlung von Zuchtfreund Bax bekommen.

1943

Wegen Mangels eines Lokals findet in der Kleiderfabrik Lehmann, Siegfriedstraße, wiederum eine Zucht-stamm-Ausstellung statt.
34 Vereinsmitglieder sind Soldat.

1944

Durch die Fortdauer des Krieges ist an eine Feier zur 50jährigen Wiederkehr der Gründung unseres Vereins nicht zu denken. In einer Versammlung wird unter den wenigen anwesenden Züchtern der Gründung des Vereins gedacht.

1945

Die letzte Versammlung im Kriege in unserem Vereinslokal Zur Krone findet am 18. März 1945 statt. Die Krone wird kurz danach vollständig durch Bomben zerstört.
Nach dem Zusammenbruch wird auch Detmold von den Alliierten besetzt. Jede Vereinstätigkeit wird durch die Besatzungsmacht verboten. Durch Verhandlungen gelingt es dem Vorsitzenden Ernst Köller, die Genehmigung zur Abhaltung von Versammlungen zu erhalten. Die erste Versammlung findet daraufhin am 21. Oktober 1945 im Gasthof Zum Wehrenhagen statt. Anwesend sind 22 Mitglieder.

Die Nachkriegszeit

1946

In den Versammlungen werden die zurückgekehrten Kriegsgefangenen von den Mitgliedern immer herzlich begrüßt. Am 7. und 8. Dezember 1946 findet die erste Schau nach dem 2. Weltkrieg zusammen mit dem Reisetaubenverein im Falkenkrug statt.

1948

Durch die Währungsreform erleidet der Verein einen fühlbaren finanziellen Verlust.

1949

Am 5. März 1949 wird eine Familienfeier im Volkshaus durchgeführt, an der 200 Personen teilnehmen. Am Himmelfahrtstag findet eine Wanderung nach Bad Meinberg statt.
Unsere Lokalschau wird mit 371 Tieren beschickt.

Die 50-er Jahre

1954

Zu dieser Zeit besitzt der Landesverband den Versuchshof Westerlohe. Auf diesem Hof finden regelmäßig Legeleistungsprüfungen statt. Im September bekommt Zuchtfreund Hunold seien New Hampshire vom Wettlegen zurück. Die beste Henne hat eine Jahresleitung von 269 Eiern gezeigt. Der Stamm von acht Hennen hat im Durchschnitt 217 Eier gelegt, womit Hunold dieses Wettlegen gewonnen hat.

1955

Da es noch nicht so viele PKW's gibt, werden zu verschiedenen Anlässen vom Verein Busfahrten organisiert. So fahren 36 Züchter zum Landesverbandszüchtertag nach Bielefeld und bei der Sommerfahrt zur Bundesgartenschau nach Kassel benötigt man sogar zwei Busse.

Zwerghühner sind noch nicht so verbreitet wie heute. Ewald Siekmann wirbt für die Zucht von Zwerg-hühnern. Gerade für Stadtbewohner sind diese besonders geeignet, denn sie benötigen weniger Platz als große Hühner. Zwerghühner können durchaus auch wirtschaftlich sein. Es wird gebeten, sich doch Rassen anzuschaffen, die im Verein noch nicht vorhanden sind, um auf den Schauen ein bunteres Bild zu bekommen.
Am Ende des Jahres hat der Verein 113 Mitglieder.

1956

Die Weiße Kükenruhr, Salmonella pollorum, macht den Züchtern sehr zu schaffen. Da die Seuche schon von der Henne auf das Ei übertragen wird, wird durch eine Pollorumuntersuchung festgestellt, welche Hennen Bakterienträger sind, um diese dann von der Zucht auszuschließen. Einen Großteil der Kosten übernimmt das Landestiergesundheitsamt.
Im Jahre 1936 hatte man ein Gerätehaus aus Holz auf dem Gelände des Falkenkruges errichtet. Dieses Gerätehaus muss jetzt abgebaut werden. Zuchtfreund Kampmeier, Siegfriedstraße 39, stellt auf seinem Gelände einen Platz zur Verfügung, auf dem das Gerätehaus neu aufgebaut werden kann.
Die gute Kassenlage erlaubt es, auf der Ortsschau für alle Tiere, die keinen Preis errangen, das halbe Standgeld zu erstatten.

1958

Da der Versammlungsbesuch sehr schlecht geworden ist, wird beschlossen, auf den Versammlungen Geflügeltränken, Futtertröge und andere Zuchtutensilien zu verlosen, um damit mehr Vereinsmitglieder zu den Versammlungen zu locken. Auf der Ortsschau ist man mit der Besucherzahl nicht zufrieden.

1959

Der Verein hat 112 Mitglieder, von denen jedoch 2/3 passive Mitglieder sind.
Eine Besonderheit wird bei der Ortsschau eingeführt: auch Vereinsmitglieder müssen Eintritt bezahlen, auch wenn dieser nur halb so hoch ist wie für Nichtmitglieder.
Von den 60-er bis in die 90-er Jahre

Die 60-er Jahre

1960

Der Verein hat 101 Mitglieder.

1964

Der Mitgliederstand ist leicht gefallen, der Verein hat jetzt 98 Mitglieder.
Der Versuch, die Versammlungen am dritten Freitag im Monat um 19:30 durchzuführen, scheitert. Nach einem halben Jahr wird die Versammlungen wieder sonntags um 16:00 abgehalten.

1965

Die ältesten Vereinsmitglieder sind Heinrich Blome, eingetreten 1920, Fr. Dreier 1925, Rudolf Grote 1929 und Ewald Siekmann 1929 und seit 1930 im Vorstand.

1967

Die Mitgliederzahl ist auf 81 gesunken.

1969

Zum 75jährigen Bestehen des Vereins hat dieser wieder die Durchführung der Kreisschau übernommen. Diese führt seit 1961 den Namen ‚Lipperlandschau'.

Die 70-er Jahre

1973

Versammlungslokal wird das Hotel Stadt Kulmbach in der Exterstraße; die Versammlungen finden seit Mai jeweils am zweiten Donnerstag eines Monats um 20:00 statt.

1976

Versammlungslokal ist nun das Hotel Zum Stern.
Da zu viele Käfige vorhanden sind, sollen die alten verkauft werden. Die Ortsschau ist sehr schlecht besucht.

1977

Die Mitgliederzahl ist auf 50 gesunken.
Eine Ortsschau kann nicht durchgeführt werden, da dem Verein kein Saal zur Verfügung steht.

1978 / 1979

Die Ortsschauen finden im Gasthof zum Klüt statt; beide haben keine große Zuschauerresonanz.

Die 80-er Jahre

1980

Mit der Vereinsausstellung geht man für wenige Jahre nach Diestelbruch in den Alten Krug.

1982

Der Verein hat jetzt 40 Mitglieder.
Die Schriftführerin, Frau Wistringhausen, verstirbt mit 46 Jahren. Niemand will diesen Vorstandsposten übernehmen, so dass der Vorsitzende für ein Jahr die Protokolle selbst führt.

1984

Da in Detmold und in der weiteren Umgebung kein geeigneter Saal für die Ortsschau gefunden werden kann, sieht man keine Chance, jemals wieder eine Ortsschau durchzuführen und verkauft die Käfige.

Die 90-er Jahre

1992

Neues Versammlungslokal ist der Jägerhof in Klüt.

1994

In das Jubiläumsjahr geht der Verein mit 24 Mitgliedern.
Das Jubiläum wird nur innerhalb des Vereins begangen – ohne großes Aufsehen zu erregen.